Fakten

Wir sind 849 Tage um die Welt gereist (11. Juni 2013 bis 07. Oktober 2015). Unsere letzte Station war Bangkok, Thailand.
Wir reisten 71844 Kilometer durch 26 Länder. Jetzt sind wir wieder in Deutschland und planen unsere naechste Reise.

Samstag, 21. Dezember 2013

Bilderbuch Zentralasien

Hier die Bilder zum letzten Post "Links und Rechts der Seidenstrasse":
Viel Freude beim Anschauen und Frohe Weihnachten!

Gebirge vor der iranisch-turkmenischen Grenze

Bunte Busfahrgemeinde

Bahnhofsgebaeude (mit Portrait des Praesidenten) in Asgabat, Turkmenistan
Gelehrte Muslime in Asgabat

Nachtzug von Asgabat nach Mary

Mary, Turkmenistan

General Major Akmuhamed "Michail" Muradov lud uns zum Essen ein, Mary
Oraz, seine Schwester und wir, Turkmenabat

Brotverkaeufer in Buchara, Usbekistan

Mutter und Sohn in Buchara

Schmuckverkaeuferinnen auf dem Basar in Buchara
Eine der Zahlreichen Medresas (Imamschulen) in Buchara

Geschwister in Buchara

Unsere Route am Schild + Taxifahrer

Die Schoenste - In Sarmarkand, Usbekistan
Das Registan Ensemble, Samarkand

Marktfrauen und Kunden auf dem Basar in Samarkand

Shah-I-Zinda-Mausoleum in Samarkand

Erster Schnee in Samarkand
Taxigewusel vor dem Basar in Osh, Kirgistan

Michael and the "wild ass", M. und der Esel -
Auf dem Weg nach Arslanbob, Kirgistan

Berge in Arslanbob

Fluss auf dem Weg nach Taktogul
Wohnwagen auf dem Chychkan-Plateau...

...und die dazugehoerige Toilette

Panorama vor dem Chychkan-Pass

Ausblick von der WG in Bishkek
Alles Liebe, Elmi (und Emma)

Rechts und Links der Seidenstrasse

Wir sind im Herzen Asien angekommen, eine Viertel Runde um den Globus von zu Hause entfernt. 
Es wird bald endgueltig Winter. Noch sind Schnee und Eis freundschaftlich gemeinte Ausnahmen, aber je naeher Weihnachten rueckt, desto seltener scheint die Sonne.
Der erste Schnee dieser Saison fiel bereits in Quchan, im Iran. Zum Glueck hatte ich mir gerade einen Tag vorher meine Winterschuhe und Emma sich eine dicke Strickjacke gekauft. Der Plan, zu zelten, loeste sich schnell in kalte Luft auf und wir waren gluecklich, als wir von Javad auf der Strasse angesprochen wurden und er uns zu sich nach Hause einlud.
Wir sind immer noch ueberwaeltigt von der Warmherzigkeit und der Gastfreundschaft der Menschen, die uns bisher begegneten und wir werden taeglich darin bestaetigt, dass es richtig ist zu Reisen. - Hier zu Reisen. 
Nachdem wir einen Monat lang die persische Kultur und Cuisine erleben konnten, oft zu Gast waren und viele interessante Fragen gestellt bekamen, sind wir Ende November ueber Tuerkmenistan weiter nach Usbekistan gereist. Auch hier waren die Menschen sehr aufgeschlossen und interessiert. Viele waren hellauf begeistert und wollten oft nicht mehr von unserer Seite weichen. - Daran konnten wir uns waehrend der ganzen Zeit noch nicht wirklich gewoehnen!

Als wir die Grenze zu Tuerkmenistan ueberquerten, fiel uns als Erstes die farbenfrohe Kleidung der Tuerkmeninnen auf, nachdem wir im Iran sehr viele Frauen in schwarzen Chadors zu Gesicht bekamen. Besonders Frauen und Maedchen, die in traditionellen, muslimischen Familien leben, muessen dort die Ganzkoerperverhuellung tragen. Doch der Schein von mehr persoenlicher Freiheit im Nachbarland truegt.
In der tuerkmenischen Hauptstadt Asgabat, die nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt ist, kann man deutlich den Druck des repressiven Regimes spueren. Die "weisse Stadt" ist deutlich ueberdimensioniert, die riesigen Marmor-Bauten spriessen zuhauf neben der menschenleeren Strasse hoch. Aehnliches kann man in Mary und Tuerkmenabat sehen. Oraz, ein junger Mann, den wir in Tuerkmenabat trafen, erklaerte uns, als wir am Staatstheater vorbei liefen: "Es ist eigentlich immer geschlossen, weil keiner das Geld hat, ins Theater zu gehen." - Das Gebaeude ist von enormer Groesse und prunkhaft verziert. Eine Menge Staatsgelder muessen in dessen Bau geflossen sein.
Oraz erzaehlte uns noch mehr: Um studieren zu koennen, muss man Schmiergelder zahlen, im fuenfstelligen Dollar-Bereich. Wer Geld hat, dem werden die Tueren geoeffnet. Allen anderen bleiben solche Weiterbildungsmoeglichkeiten verwehrt. Viele Tuerkmenen studierten deshalb im Ausland, berichtet Oraz. Das Gleiche, wenn man eine angemessene Arbeitsstelle finden moechte. Deshalb moechte auch er das Land verlassen.
Tuerkmenistan bleibt laut Human Rights Watch World Report 2013  "eines der unterdruecktesten Laender der Welt".
Obwohl wir fuer die Durchreise nach Usbekistan nur ein Transit-Visum fuer fuenf Tage bekamen, erfuhren wir sehr viel ueber die Zustaende im tuerkmenischen Polizeistaat. 
Zuerst stellten wir keine Fragen, die Menschen fingen einfach an zu erzaehlen. Ein Internet-Anschluss zu Hause sei sehr teuer, berichtete uns ein Deutsch-Lehrer. Er stehe sehr zeitig auf, um seine E-Mails abzurufen. Erst Stunden spaeter koenne er sie lesen, falls die Internet-Verbindung nicht abbreche. Als wir in einem Internet-Cafe auf das Social Network zugreifen wollten, stellten wir fest, dass zahlreiche Websites blockiert und die Preise unverhaeltnismaessig hoch waren.
Selbst ohne tiefgehende Recherchen bemerkten wir schnell, dass die Bevoelkerung sehr stark unter dem Regime leidet.
Als wir am Tag unserer Abreise frueh zeitig das Haus Richtung Bahnhof verliessen, trafen wir auf der Strasse eine grosse Menschenmenge in traditioneller Kleidung und mit grossen Blumenstrauessen an. Wir erfuhren von Oraz, dass Praesident Berdymukhamedov an diesem Morgen in Tuerkmenabat erwartet werde und alle Menschen, die vom Staat beschaeftigt werden, aufgefordert sind, sich am Strassenrand zu versammeln um ihm zu winken, ihm zu huldigen. Wer nicht erscheint, verliert seine Arbeit.

Fuer uns waren diese Geschehnisse sehr surreal. Fuer die Tuerkmenen sind solche Erlebnisse leider traurige Wirklichkeit.
Umso mehr waren wir beruehrt von der Freundlichkeit und der Offenheit der Leute, mit denen wir sprachen. 

Wir reisten entlang der Seidenstrasse weiter Richtung Usbekistan. Der Uebergang von Osteuropa ueber Persien nach Zentralasien erwiess sich als fliessend. Die Natur um uns herum wurde Schritt fuer Schritt anders, die Berge verschwanden und was blieb, war Steppe.
Die Gesichtszuege der Menschen veraenderten sich graduell. Tuerkmenistan war das erste Land, in dem die Leute, nach europaeischer Vorstellung, vermehrt "typisch" asiatisch aussahen. Die Kleidung, das Essen, das taegliche Leben hier unterscheidet sich sehr von dem in Europa. 
Vor den Grenzkontrollen in Usbekistan wurden wir vorher zahlreich gewarnt. Die letzten zehn Kilometer vor der Grenze reihten sich LKW's aus aller Herren Laender auf. Fuer uns erwies sich aber die Einreise jedoch als problemlos. Auf Franzoesisch wurden wir durch jegliche Kontrollen gelotst und erreichten an diesem Tag das schoene gemuetliche Staedtchen Buchara

Die Stadt mit ihren vielen altehrwuerdigen Moscheen und Madrasas (Koranschulen) ist in der Geschichte neben Samarkand der wichtigste Ort der Seidenstrasse, der Handelsroute, die Mittel- mit Ostasien verband. Hier sind wir im Herzen Asiens.
Vor den Sehenswuerdigkeiten in Buchara und Samarkand gab es viele Souvenirs zu kaufen, von kunstvoll bemalten Keramik-Gefaessen und Teeservices ueber traditionelle Kopfbedeckungen bis hin zu Schmuckstuecken. Auf den typischen Basaren priesen Marktfrauen, mit ihren bunten Gewaendern und ihren farbenfrohen Kopftuechern, ihre Waren in vielen verschiedenen Sprachen an, als wir an ihnen vorbei liefen. Als wir weiter gingen, fanden wir eine Vielzahl an fremd duftenden Gewuerzen vor, kauften Non (flaches rundes Weissbrot) und mit Sesam und Zucker ueberzogene Erdnuesse. Die Gemuesehaendler boten hauptsaechlich Saisongemuese an: Kohl, Rueben und Kartoffeln.

In der Haupstadt Tashkent kamen wir bei Rob und seiner Familie unter. Als er uns von der U-Bahn abholte, sprachen wir ueber die politische Situation in Usbekistan. Denn auch dieses Land hat eine aehnliche Geschichte wie der suedliche Nachbarstaat. Es ist vielleicht sogar noch schlimmer, Praesident Islom Karimov regiert das Land seit 1991. Zwar sieht man nicht an jedem oeffentlichen Gebaeude ein Portrait von ihm, aber sein Gedankengut ist seit Jahrzehnten in den Koepfen der Menschen verankert. Ueber den Praesidenten oder Politik generell, sollten wir lieber nicht in der Oeffentlichkeit sprechen, meinte Rob.
Besonders in der Haupstadt war auffaellig, dass grosse Plaetze meist relativ menschenleer waren und die Anzahl an Polizisten dort besonders hoch war. Manchmal waren sie in Zivil, manchmal in Uniform. Viele erkannten wir jedoch zweifeslfrei an ihren Funkgeraeten, die stets eingeschaltet waren.
Zwei Mal reisten wir in Usbekistan mit dem Zug. Die Kontrollen an den Bahnhoefen waren strenger als an den Grenzen, die Rucksaecke wurden durch die Roentgenmaschine geschoben, der Ausweis gruendlich kontrolliert und selbst die Hosentaschen mussten ausgeleert werden. Rob erklaerte uns, die Sicherheitsmassnahmen seien drastisch gestiegen, nachdem es 2004 zu mehreren Anschlaegen in Tashkent und Buchara gekommen sei. Aus Angst vor Terrorismus gaebe es u.a. keine Parkbaenke und -tische mehr, soetwas wie Strassenfeste, wie es frueher ueblich war, werden nicht mehr gefeiert. 
Am Eingang zu jeder U-Bahn-Station standen Uniformierte. Wir wurden jedes Mal kontrolliert.

Ein weiterer Teil der staatlichen Kontrolle ist die Registrierungspflicht fuer Touristen. An sich war es notwendig, sich jeden Tag durch ein Hotel registrieren zu lassen. Aber nicht jedes Hotel stellt einem diese Registrierung aus, meistens tun dies nur die touristischen, teuren. Dadurch fuehlten wir uns sehr eingeschraenkt und unter Druck gesetzt. Oft hoerten wir von Reisenden, dass sie keine Probleme hatten, wenn ein paar Registierungszettel fehlten. Aber an anderen Stellen berichteten Leute, die wir unterwegs trafen, alle Papierchen seien gefordert worden. Uns fehlten am Ende zwei, aber wir wurden nicht einmal nach den Registrierungen gefragt, die wir hatten.
Wir waren erleichtert, das Land nach knapp zwei wochen wieder verlassen zu koennen. So richtig konnten wir uns nicht in Usbekistan verlieben. Vielleicht lag es daran, dass das Wetter trueb und kalt war, wir taeglich unser Budget ueberziehen mussten, dass wir nach Fergana mit dem Taxi reisen mussten und der Taxifahrer permanent einschlief und dass wir von der schoenen Landschaft nichts sahen, da die Fahrt nicht, wie angekuendigt vier, sondern acht Stunden dauerte und es, als wir im schoenen Fergana-Tal ankamen, bereits stockduster war. 

Vielleicht war es aber auch die Rastlosigkeit, die sich langsam in unsere Koerper und Sinne schlich.

Die Advente flogen dahin. Seit Monaten verfolgen wir Wochentage sowieso nicht mehr mit besonderer Sorgfalt. Was fuer ein Tag ist heute? Montag, Freitag? Mittwoch? Alles ist moeglich.
Weihnachtliche Stimmung mag bei uns dennoch nicht wirklich aufkommen. Seit Samarkand fanden wir in den Laeden manchmal Schokoladenweihnachtsmaenner in den Regalen oder es wurden kuenstliche Weihnachtsbaeume angeboten.
Als wir die Grenze nach Kirgisien ueberschritten (der einfachste Grenzuebergang seit langem!) erging es uns aehnlich wie in Georgien. Eine Art Last und Anspannung fiel von unseren Schultern. In Osh ruhten wir uns etwas aus, bevor es gemeinsam mit Michael aus Kanada, den wir dort trafen, weiter ins Gebirge nach Arslanbob ging.
Es tat so gut, nach den vielen Staedten und dem vielen Smog der letzten Wochen und Monate, mal wieder saubere Luft zu atmen, ohne Menschen um einen herum Zeit miteinander zu verbringen, die Natur zu geniessen und durch den Schnee zu stapfen. Im Sommer sei es schoener, meinten viele Bewohner des Doerfchens. Wir muessten wiederkommen, meinte der Englisch-Lehrer, bei dem wir unterkamen.
Um das Dorf herum sind unglaublich schoene, verschneite Berge, sogar Skifahren kann man dort und es gibt mehrere Wasserfaelle zu besichtigen. Beruehmt ist das Dorf jedoch fuer seinen Wald. Dort wachsen naemlich hauptsaechlich Wallnussbaeume. Wir kosteten natuerlich. Und ich darf sagen, kein Wunder, dass Arslanbob fuer Wallnuesse beruehmt ist! Lecker.

Durch die atemberaubende, verschneite kirgisische Steppe reisten wir zu dritt bis Taktogul, und trampten am folgenden Tag durch die bisher vielleicht schoenste Landschaft, hinauf zum Chychkan-Plateau, dass sich bis zum Chychkan-Pass erstreckte, vorbei an mindenst zehn verunfallten Autos und LKWs. Auch wir drehten uns ein einhalb mal um die eigene Achse. Aber alles verlief glimpflich.
Am Abend kamen wir in Bishkek an und waren dankbar fuer eine warme Dusche und eine ordentliche Portion Schlaf.

Wir sind in einer internationalen WG untergekommen. Zwei Radreisende aus Belgien haben sich hier fuer ein halbes Jahr niedergelassen, um Geld zu verdienen und den Winter abzuwarten. Ausserdem sind noch eine Amerikanerin und ein Australier Teil der bunten Mischung. Es ist angenehm, nach sechs Monaten etwas laenger ausruhen zu koennen. Wir sind doch zugegebenermassen etwas reisemuede geworden. Aber angesichts dessen, dass es Winter ist, finde ich das ganz normal. Und wir haben ja schon von Matt am zweiten Reisetag gelernt, dass Pausen unverzichtbar sind.
In Bishkek koennen wir noch einmal "westlichen" Standard geniessen, haben warmes Wasser, eine voll funktionstuechtige Kueche, einen Supermarkt nebenan, eine beheizte Wohnung und viele liebe "Mitbewohner". Michael war mehrer Monate in China, bevor er nach Kirgistan kam und er gab uns wichtige Tipps. Wir freuen uns auf China und sicherlich wird es ein weiterer Schritt in eine ganz neue Welt. Fliessend Wasser haette er selten bis gar nicht vorgefunden, Toiletten seien ein Alptraum, Englisch werde sowieso nirgends gesprochen und Hotels seien verhaeltnismaessig teuer, selbst wenn man dort manchmal nur einen Pappkarton als Matraze bekomme - sonst nichts. Wir sind auf jeden Fall vorgewarnt und werden nicht kopfueber ins kalte Wasser geworfen.
Unser Aufenthalt in Kasachstan wird, trotz unseres seit Anfang November geltenden Visums, nur recht kurz. Wir haben uns dazu entschieden, hier Weihnachten zu feiern, danach in Almaty Halt zu machen und dann muessen wir innerhalb von vier Tagen nach China einreisen. Dort werden wir wohl das neue Jahr begruessen - wahrscheinlich ohne grosse Party. Die Chinesen verwenden ja ihren eigenen Kalender.

Wir moechten euch Lesern danken, dass ihr uns auf der Reise so toll unterstuetzt habt. Wir sind dankbar fuer alle, die uns Aufgaben fuer "Make our Day" gegeben haben. - Wir haben sehr liebe Menschen dadurch kennen gelernt, mussten oft unsere Schuechternheit begraben und Leute ansprechen. Das Ergebnis ist sehr oft erstaunlich - fuer uns und fuer die Menschen, die wir um Hilfe bitten. 

Obwohl es vielleicht gerade sehr anstrengend ist, zu reisen, geniesse ich es sehr, unterwegs zu sein. Ich hoffe, viele Laender ein zweites Mal besuchen zu koennen, Menschen, die mir wichtig geworden sind, wieder zu treffen.

Ich wuensche euch fuer die verbleibenden Tage des Jahres Ruhe und Gelassenheit. Ich wuensche euch gemeinsame Stunden mit euren Familien bei Tee und Weihnachtsgebaeck und lege euch waermstens ans Herz, auf das Jahr zurueckzublicken. Ich persoenlich liebe diese Abende, bei denen das Erlebte noch einmal durch Kopf und Herz fliesst. Ich wuensche euch, dass ihr auch nach vorn schaut und Kraft schoepft fuer ein neues Jahr. Ich bin froh, dass wir diese Reise machen koennen, dass wir noch nicht wirklich ernsthaft krank geworden sind und uns noch nie etwas geklaut wurde! - Im Gegenteil: Uns wurde so viel geschenkt! Vieles, was wir nicht mehr benoetigten, haben wir getauscht, wenn wir etwas brauchten, haben wir es oft sehr guenstig oder sogar umsonst bekommen. So gut wie alles, was schlecht lief, nahm irgendwann eine positive Wendung.

In diesem Sinne wuensche ich euch Frohe Weihnachten! Ab morgen werden die Tage wieder laenger! :)
Fuehlt euch umarmt, Elmi (und Emma)

Bilder zum Post findet ihr unter "Bilderbuch Zentralasien".

Samstag, 14. Dezember 2013

Iran in Bildern

Einige Bilder von der schoenen Zeit im Iran. Eine unvergessliche Zeit. Es gibt unglaublich viele Fotos, hier nur ein paar wenige:

Masouleh

Basar in Rasht

Kaspisches Meer in Ramzar
Auf dem Weg nach Chalous

Kids in Shiraz
American Embassy in Tehran
Sonnenaufgang in der Steppe nahe Isfahan

Gewuerze und Trockenfruechte auf dem Basar in Tehran

Nan-Brot-Baeckerei in Tehran
Liebe Menschen in Shiraz

Tehran bei Nacht von oben

Silbermann in Isfahan

Scheich-Lotfollah-Moschee in Isfahan
Portal der Imam-Moschee auf dem Naghsch-e-Dschahan-Platz in Isfahan

Altstadt und Hormoz-Moschee in Yazd

Erster Schnee in Quchan

Vor der Grenze zu Tuerkmenistan

Freitag, 29. November 2013

Persische Geschichten

Salam

inzwischen sind wir zwar schon in usbekistan, der folgende schwall an worten und geschichten gilt aber dem iran - diesem gedanken- und gefuehls- und sinnesraeder zum laufen bringenden land im mittleren osten. einen monat haben wir im iran gelebt, gewohnt, sind gereist, haben zahlreiche botschaftsbesuche hinter uns gebracht und sind in die persische kultur eingetaucht...es ist schwer, alle erlebnisse zusammen zu fassen, aber vielleicht sind es die kleinen geschichten, die am besten beschreiben, wie sich dieses land fuer uns angefuehlt hat:

tehranstadtverkehr& taxifahrer: schnell haben wir gelernt, dass die meisten taxifahrer uns als touristen abziehen wollen, indem sie einfach mal zehnmal hoehere preise verlangen. nach einer weile in tehran wussten wir aber, wie viel eine fahrt vom san'at-square zur turkmenischen botschaft kostet oder fuer welche strecken "se toman" (etwa einen dollar) ein angemessener preis ist. taxifahrer werden wohl nie unsere besten freunde, aber dennoch fand ich es immer sehr charakteristisch, wie sie mit ihren quaekenden stimmen ihre richtungen passanten in die ohren bruellten...und wenn wir dann einmal im taxi sassen, hatte man manchmal das staendige gefuehl, gleich wuerde etwas passieren - ein abgefahrener spiegel, ein auffahrunfall - aber nein, das scheinbare chaos im tehranischen stadtverkehr, bei dem auf einer vierspurigen strasse teilweise acht autos nebeneinander fahren, hupen und sich motorbikes dazwischen schieben, funktioniert! hierbei ein dank an die motorbiketaxifahrer, die uns einmal lebendig, ohne helm und in wahnsinnigem tempo durch den verkehr gefuehrt haben - respekt jungs!

tarof und hoeflichkeit: schon bevor wir ins land einreisten, hatten wir von "tarof" gehoert - einer typisch iranischen form von hoeflichkeit, die in manchen faellen aber nicht ernst gemeint ist. es hat eine weile gedauert, herauszufinden, wer jetzt ehrlich taroft und wer nicht. eine ganz typische situation: eine (aeltere) frau steigt in die ueberfuellte metro. ein mann springt auf und bietet seinen platz an - die frau lehnt ab - er bittet sie sich zu setzen - sie lehnt abermals ab - er bittet sie erneut, den platz anzunehmen - sie bedankt sich und setzt sich. man sagt, wenn ein angebot mehr als drei mal abgelehnt wird, will derjenige es wirklich nicht annehmen. bei nur zwei ablehnung heisst das noch lange nicht, dass der gegenueber es nicht will...manchmal war diese form der hoeflichkeit etwas langwierig, aber man bekommt ein gespuer dafuer. (taxifahrer tarofen auch manchmal, indem sie vorgeben, sie wollten kein geld fuer eine fahrt...da kann man aber mit ziemlicher sicherheit davon ausgehen, dass das nicht ernst gemeint ist.)

ansonsten gefiel mir die iranische art, sich zu bedanken oder zu verabschieden sehr: man neigt den kopf etwas zur seite und macht eine kaum merkliche nickbewegung. legt man dann beim "merci"-, "mamnun"- oder "chodaafes"-sagen noch eine hand auf sein herz, wird die wertschaetzung des gegenueber noch unterstrichen.

chai-kultur: "wir fuegen immer etwas zu unserem chai hinzu...zimt oder kardamom oder zitrone..." bei unserem iranischen freund A. , bei dem wir fast drei wochen in der haupstadt wohnten, habe ich es so genossen, zu jeder zeit persischen tee im samowar zubereiten zu koennen. auch sonst bekommt man bei besuchen als erstes chai angeboten - oftmals mit datteln oder keksen. einmal wurden wir in mashhad in einem klamottengeschaeft von dem ladenbesitzer zum tee eingeladen - extra fuer uns bereitete er einen spezialblumentee mit tiefblauer farbe zu und unterhielt sich mit uns uebers reisen..es ist so witzig, wenn einem die iraner erzaehlen, wie schlecht kaffee doch fuer die gesundheit ist, wenn sie doch selbst den ganzen tag mit ihrem chai herrumlaufen und selbst beim autofahren teeglaeser in den haenden halten...

hijab, chador und frauenrechte: als wir die grenze von armenien aus ueberquerten und richtung tabriz trampten, zog ich mein kopftuch noch tief ins gesicht und achtete darauf, dass ja keine haare zum vorschein kamen. schnell wurde mir aber klar, dass das kopftuch (auf farsi "hijab") durchaus auch locker getragen werden kann. viele religiose frauen tragen zwar einen chador (schwarzer ganzkoerperverhuellender umhang) oder ein fest gebundenes kopftuch, aber besonders in der haupstadt bemerkt man des oefteren auch mal, wie einer jungen frau die hijab vom kopf rutscht, ohne dass es sie zu stoeren scheint. viele moegen diese gesetzliche kleiderordnung von der regierung nicht, und tragen die hijab eher als modisches accessoire, als als muslimisches zeichen. ich habe das hijab-tragen nie wirklich gemocht, legte aber nach ein paar tagen mein kopftuch schon fast automatisch um, wenn ich aus dem haus ging. 
je laenger wir im iran waren, desto mehr wurde mir meine eigene freiheit als euopaeische frau bewusst: mein kulturkreis erlaubt es mir, mich so zu kleiden, wie ich will. ich muss mich nicht dem willen meines mannes oder meiner familie beugen und mich verhuellen. viele chador-frauen wirkten so weltfremd und verschlossen hinter ihren schwarzen gewaendern...ich kann zusammensein mit demjenigen, den ich liebe und darf das auch zeigen. ich darf arbeiten. ich darf meine meinung sagen und sie wird gehoert. ich bin als frau nicht weniger wert als ein mann. (leider gibt es eine menge regelungen, die eine iranische frau im gerichtsfall weitaus wertloser deklarieren als einen mann...) ich kann reisen...
all sowas wurde mir bewusst und ich bin so dankbar fuer all die moeglichkeiten, die mir offen stehen. aber dennoch schmerzt es, die unfreiheit vieler frauen im iran zu sehen...


basarleben: auch wenn wir auf den basaren staendig gebeten wurden, doch bitte mit in dieses und jenes teppichgeschaeft zu kommen und wir immer wieder erklaeren mussten, dass unsere rucksaecke und unser budget zu klein waeren, um einen grossen perserteppich zu tansportieren bzw. nach hause zu schicken, war das basarleben doch immer wieder ein erlebnis. ich liebte besonders die herrlich gewuerz - und trockenobststaende, die man schon von weitem an ihrem wunderbaren duft erkennen konnte und genoss die vielfalt der orange-, gruen-, rot-, gelb- und brauntoene, die nebeneinander ein sehr huebsches bild ergaben. auch wenn wir nichts kaufen wollten, machte es spass, einfach umherzuschlendern, den riesig beladenen karren der warentraeger platz zu  machen und die unglaubliche vielzahl an dingen zu bestaunen, die man auf einem basar erwerben konnte: klamotten, schuhe, gewuerze, schreibwaren, toepfe, suessigkeiten, werkzeug, obst, gemuese, brot, haushaltsgegestaende....

ashura & ein abend bei der polizei: irgendwie schaffen wir es immer wieder, gerade an feiertagen in einem land zu sein. im iran war es ashura - zwei feier- bzw. trauerwochen zum gedenken an den dritten imam hussein, der grausam ermordet wurde. besonders religiose menschen nehmen zu diesem anlass an zeremonien teil, bei denen sie sich mit ketten oder stangen (symbolisch) selbst geisseln und damit das leiden des imam nachempfinden. 
am dritten tag dieser zerememonien schlug unser host A. vor, wir koennten doch in die stadt fahren und uns das ganze mal anschauen, alles laufe friedlich ab und es waeren ausser un noch unzaehlige andere zuschauer auf den strassen unterwegs...also fuhren wir hin und beobachten die maenner, wie sie da zu lautem tiefen trommeln und echoverstaerktem gaensehaut-sprechgesang im takt ihre silbernen staebe schwangen...ich fand die atmosphaere ausserst berueckend und gruselig und war froh, als wir mit unserem freund daniel und dem franzosen gael wieder zu A. ins auto stiegen. nach ein paar metern wurden wir jedoch von dunkel gekleideten maennern rausgewunken. wir haetten bilder gemacht, seien auslaender, sie wollten unsere kameras checken, wissen, ob wir journalisen seien....A. erklaerte uns spaeter, es seien typen vom iranischen sicherheitsdienst. die "normale" polizei kam auch noch ins geschehen und meinte, wir sollten einfach weiterfahren, es sei schon ok...aber die sicherheitsdienstleute machten stress, weil wir keine passports dabei hatten, verriegelten die autotueren und diskutierten mit A. und der polizei so lange, bis wir mit der polizei aufs revier fuhren. wir vier auslaender sollten warten, bis unser iranischer freund A. unsere paesse aus der wohnung gebracht hatte...eineinhalb stunden vergingen in dem stickigen raum und ich hatte solche angst, dass einer der polizisten mit zu A. in die wohnung gekommen war und gemerkt hatte, dass wir alle bei ihm wohnten und nicht in einem hotel uebernachteten...couchsurfing ist im iran verboten, dennoch ist die zahl der gastgeber gross. als A. endlich mit den paessen kam und wir gehen konnten, erzaehlte, er, die polizisten haetten nichts gegen ihn gehabt und wollten ihm sogar einreden, er sei das opfer und wir haetten ihm nur luegen erzaehlt usw..uns es war unser glueck, sagte er, dass wir mit der polizei und nicht mit dem sicherheitsdienst mitgefahren sind - sonst haette es mitunter 24 stunden gedauert, bis wir wieder auf freien fuss gekommen waeren..ich war so erleichtert, dass nichts schlimmeres passiert war! in dieser nacht waren wir noch alle betrunken...:)

strassenfreundschaften: nach einer weile im iran hatten wir schon keinen ueberblick mehr, zu wem welcher name und welche gespeicherte nummer in unserem handy gehoerte. es passierte eigentlich fast taeglich, dass wir irgendjemanden in der metro oder im taxi oder einfach auf der strasse trafen, der uns ansprach und uns in ein gespraech verwickelte. und auch wenn es nur um unsere herkunft oder um die frage "iran...gooood?" ging und auch wenn unser ploetzlicher freund nur ein paar brocken englisch sprach, erhielten wir in den meisten faellen gleich seine nummer, fuer den fall, das wir hilfe, rat oder einen guide brauchten. zwar fragten wir uns manchmal, wie denn ein telefonat ablaufen sollte, wenn keiner die sprache des anderen verstand. aber gut. man muss auf jeden fall festhalten, dass die iranische hilfsbereitschaft unglaublich gross ist! ..."if you do a favour, do it completely!"

...
ein land, das nicht wiklich dem von westlichen medien gezeichneten duesteren bild entspricht. ein land, in dem viele der menschen viel offener zu fremden sind, als erwartet. ein land, in dem unsere namen mit dem frueheren fuehrer emam khomeini und mit "wissenschaftler" assoziiert werden. ein land mit vielen grenzen und vielen moeglichkeiten. ein land, dass uns definitiv viel gelehrt hat - ueber uns selbst und was das wort "kulturunterschied" bedeutet.

alles gute und bald mehr von uns aus central asia!
liebst, emma (und elmi)

(die fotos zu diesem beitrag koennt ihr im post "iran in bildern" sehen.)

Samstag, 2. November 2013

Make Our Day

Liebe Freunde!
Uns geht es praechtig! Wir sind schon eine Woche in der persischen Hauptstadt und warten auf unser usbekisches Visum. Wir haben heute den regnerischen Tag genutzt, um unseren Blog mal wieder ein bisschen auf Vordermann zu bringen.
Dabei haben wir ein paar Sachen veraendert!

Infos zu uns findet ihr, fast unveraendert, bei Wir.
Reiseroute und Infos ueber unsere Reise sind ab sofort zusammengefasst bei Unsere Reise.
Unterstuetzung&Links ist jetzt uebersichtlicher und bei Kontakt hat sich nichts veraendert.

Aber wir starten ab sofort eine Aktion, die wir "Make Our Day" getauft haben.
Dabei koennt ihr uns Aufgaben stellen, die wir fuer euch loesen werden und Fragen stellen, auf die wir Antworten suchen werden!

Einerseits ist es an der Zeit, unsere Reise mit Leben zu fuellen, sprich einem Projekt. Andererseits ist es wichtig fuer uns, dass wir euch, unsere Leser, mehr in unsere Reise integrieren. Ausserdem ist es eine gute Moeglichkeit, um mit der Bevoelkerung in Kontakt zu kommen und um unsere Reise Tag fuer Tag zu verlaengern.

Schaut auf jeden Fall mal rein: Make Our Day! 

Wir freuen uns sehr auf eure Fragen und Aufgaben!

Liebe Gruesse aus Tehran, Iran!
Elmi und Emma

Dienstag, 22. Oktober 2013

Die Geschenke von Karabakh

Was Ruhiges als Lesemusik: múm - Finally We Are No One [Full album]

Anekdote vom Montag:
"Es ist dunkel und die Scheinwerfer des Autos lassen nur erkennen, was unmittelbar davor ist.
Ich sitze mit Hauslatschen auf dem Beifahrersitz eines alten Lada Niva. Wir fahren ueber eine alte Bruecke. Schlagloecher, abgebrochene Gelaender. Wir halten nach kurzer Fahrt in einem Grundstueck an, der Fahrer steigt aus, reicht dem Jungen, der auf ihn zu kommt, zwei Flaschen Oel aus dem Kofferraum, steigt wieder ein und laesst das Auto zureckrollen. Er legt den Rueckwaertsgang ein und laesst die Kupplung schnippen. Der Wagen springt an. Nur wenige Meter weiter, vor einem alten Bauernhaus, halten wir wieder. Hier sei das "Magasin", der Einkaufsladen, erzaehlt er mir. Wir verlassen beide den Lada und der Mann, dessen Name ich vergessen habe, klingelt. Eine kleine, rundliche Frau oeffnet die Tuer. Wir kaufen Wein, Cognac, Bier und zu Essen. Zurueck geht es wieder ueber die einspurige Bruecke. Wir muessen warten, wir haben Gegenverkehr. Als der Kleinbus neben uns haelt, kurbeln beide die Fenster herunter. Sie reden schnell. Der Mann im Bus reicht ihm einen Schraubenschluessel. Mein Fahrer legt ihn hinter sich in den Fussraum. Ein kurzer Abschiedsgruss und dann geht es weiter. Als wir am einzigen beleucheten Haus vorbei kommen, stoppen wir abermals. Maenner, die alle staubig sind, schleppen Saecke von dem kleinen scheunenartigen Schuppen in den Transporter, der davor abgestellt ist. Im Schuppen laeuft eine Maschine. Sie zerkleinert Getreide und Mais. Das seien seine Angestellten, erklaert mir der Mann neben mir, nachdem er wieder eingestiegen ist. Wieder laesst er seinen 4-Wheele-Drive losrollen, bevor er ihn mit dem dritten Gang startet. Als wir bei seinem Haus angekommen sind, treffe ich meine Freundin im Wohnraum wieder, wie sie der Familie unseren Blog am Computer zeigt.
Ein phantastischer Tag in Karabakh geht zu Ende."

- Wir hatten eigentlich das Land bereits wenige Stunden vorher verlassen. Ueber einen Feldweg, der das Dorf, in dem der Lada-Fahrer Bagrat und seine Familie wohnen, mit Goris in Armenien verbindet, reisten wir nachts aber illegal wieder ein, ohne uns dessen wirklich bewusst zu sein. Dass er in Karabakh wohnt, stellten wir erst heute fest, als wir zusammen auf die Landkarte schauten.
Bagrat hatte uns eine Mitfahrmoeglichkeit nach Goris organisiert. Der schwarze Volga vor der Tuer wuerde uns in die Stadt fahren. Bevor wir letztendlich losfuhren, musste auch noch andere Dinge erledigen. Die Rucksaecke lagen im Kofferraum auf frischem Obst verstaut, die Klappe jedoch offen und nur mit einem duennen Band festgebunden. Einer seiner Kumpels, ein Halbglatziger mit kleinem Bierbauch und Jogginganzug war deutlich neugieriger als noetig, bestand darauf, ihm unsere Reisepaesse und unsere Kamera auszuhaendigen. Als wir ihn skeptisch anschauten, meinte er, er sei Polizist! Als wir protestierten, begleitete er uns zur Polizeistation. Dort wurden uns zwei Stuehle an der Wand zugewiesen und wir fanden uns in einem Bueroraum vor einem grimmig schauenden Mann wieder, der am Schreibtisch sass. Er stellte uns Fragen auf Russisch und wir antworteten so gut es ging. Es gaebe kein Problem, sagte er, auch wenn die Situation nicht gerade diesen Anschein machte. Reisepaesse mussten kopiert, Bilder mussten angeschaut und fremdsprachige Telefonate mussten gefuehrt werden, bevor wir gehen durften. Viele dieser Uniformierten genossen es sichtlich, mit ihren Lackschuhen klackernd ueber den Holzboden zu laufen und uns mit pruefenden Blicken zu belegen. Viele Erklaerungen, einige Sorgen und verabschiedende Haendedruecke spaeter, waren wir unterwegs Richtung Goris. Die Strasse zog sich ueber fuenfzig Kilometer durch unbewohntes Land, gruen, bunt, schroff und karg. Der blaue Himmel bildete einen krassen Kontrast!

Die Tage in Karabakh waren gepraegt von intensiven Gespraechen und bluehenden Gedanken, unbegreiflich schoenen Herbstfarben und grauen Regenwolken, leckeren Mahlzeiten und morgendlichem Kaffeegenuss. Vor der Grenze trafen wir auf zwei Weltreisende aus Freiburg, die ebenfalls per Anhalter in die Hauptstadt, nach Stepanakert, unterwegs waren. Wir landeten im selben Auto und konnten so den Abend zusammen verbringen. Wir assen zusammen, erzaehlten im Kerzenschein Reisegeschichten und tauschten uns aus.
Am naechsten Tag reisten wir weiter bis zum Kloster Gandzasar in Vank. Mit zwei Autos. Beide Fahrer wollten eigentlich gar nicht dort hin fahren und taten es extra fuer uns.
Wir zelteten auf dem Friedhof, obwohl wir von einem Moench ins Gaestezimmer eingeladen wurden.
Wir sprachen wieder, sassen zu viert im Zelt, geschuetzt vor dem Regen und der Kaelte.
Es war eine sehr inspirierende Begegnung fuer mich. Sie schienen so voller Ideen zu sein, so begeistert von vielen Dingen auf einmal und genossen das Reisen auf eine ganz aehnliche Weise wie wir, da auch sie aufs Fliegen verzichten wollen und hauptsaechlich durch die Welt trampen. Andererseits unterscheiden sie sich von uns einfach durch vieles, was wir seit Beginn der Reise verlernt haben. Zum Beispiel: Den Ort zu zelebrieren! Die Schoenheit der Landschaft wieder mehr zu wuerdigen, die Besonderheit der Situation anzuerkennen, die Reichhaltigkeit von Mahlzeit und Schlafplatz zu loben, auf die Liebe von Mitmenschen aufmerksam zu machen und das Ganze reflektiert und bestimmt rueber zu bringen. Das hat mich stark beeindruckt!
Wie leer doch unsere Reise eigentlich ist, wie projektlos? Nicht, dass ich mich vergleichen moechte. Es geht viel mehr darum, dass wirklich etwas fehlt. Naemlich der Teil in mir, der sich danach sehnt, etwas zu erschaffen. Etwas Besonderes zu machen, etwas, was die Reise verarbeitet auf eine Art und Weise, die mich erfuellt und mich befriedigt! Aber so etwas habe ich bisher einfach nicht gefunden. Und danach zu suchen habe ich schlicht und einfach vergessen, zu meinem eigenen Bestuerzen!
Also waelzte ich mich lange Stunden hin und her, fand nur schwer Schlaf und versuchte, so viel positive Energie wie moeglich aufzusaugen!
Mit vielen neuen Wegweisern im Kopf, mit einem breiten Laecheln und einem dankbaren kurzen Abschied, trennten wir uns in Stepanakert wieder. Aber unsere Wege fuehren ueber die gleichen Strassen, sodass wir uns vielleicht schon bald wieder treffen.
Einen Steinwurf von dort entfernt, wo wir "Bis bald" gesasgt hatten, wurden wir zum Kaffee eingeladen, bekamen Gebaeck gereicht und legten eine kurze, unvermeidbare Pause ein. Als wir wieder die Daumen in die Luft hielten, stoppte ein junger Mann, der uns zu einem Busbahnhof bringen wollte. Eine Situation, wie sie schon oft passiert ist. Ein Taxi wollten wir auch nicht nehmen, erklaerten wir, da wir ohne Geld reisen wollten. Trotz unseres Protestes, sobald wir merkten, was er vorhatte, steckte er uns eine 20.000 Dram-Note zu. Er fuhr uns sogar ans andere Ende der Stadt an eine bessere Stelle und wollte noch immer nicht das Geld zurueck haben. Und so behielten wir es, im Bewusstsein, damit etwas Gutes zu tun. Wenig spaeter trafen wir dann auf Bargrat, seine Frau und ihre Freundin. Er lud uns in Berdzor ein und wollte uns ein Stueck naeher an die Grenze bringen. Unsere Erzaehlungen gefielen ihm, und er bat uns mit zu ihm zu kommen. Es sollte eine Stunde von Goris entfernt sein und er wuerde uns auch wieder dahin zurueck fahren am naechsten Tag. Eigentlich war unser Plan ja, zielstrebig Richtung Iran zu reisen. Aber wir entschieden uns, der armenischen Familie Gesellschaft zu leisten und kamen dort in den Genuss einer warmen Dusche, eines traditionellen Abendessens und weichen, gemuetlichen Betten! Wir sind nun wieder um ein paar liebe Freunde reicher und durften, bevor wir das Land wieder verlassen, nochmals diese unendliche Gastfreundschaft geniessen. Wir gaben tatsaechlich an diesem Tag keinen einzigen Cent aus. So unbeschreiblich reich - in allen Belangen - habe ich mich lange nicht gefuehlt. Fast zu gut, um wahr zu sein! Ich hoffe, ich kann die Gedanken der letzten Tage ordnen und die Reise mit persoenlichen Projekten beleben, die es noch besonderer machen!
Bleibt behuetet und stets ein riesengrosses Dankeschoen fuer all eure Rueckendeckung! Sie gibt mir das Gefuehl von wahrer Freiheit!
Euer Elmi